Goldpreis oder Goldmenge: Was ist der Unterschied?
Zwei Perspektiven auf physisches Gold
Wer Gold betrachtet, schaut häufig zuerst auf den Preis: Was kostet eine Feinunze heute? Wie hat sich der Goldpreis entwickelt? Was ist mein Gold aktuell wert?
Daneben gibt es eine zweite, davon unabhängige Betrachtung: Wie viel Gold besitze ich tatsächlich?
Goldpreis und Goldmenge beschreiben deshalb zwei unterschiedliche Größen. Der Preis bestimmt den aktuellen Geldwert einer bestimmten Goldmenge. Die Goldmenge dagegen wird in Gramm oder Unzen gemessen und verändert sich nicht allein dadurch, dass der Goldpreis steigt oder fällt.
Beide Perspektiven zu unterscheiden, hilft dabei, Goldangebote und mathematische Modellrechnungen besser zu verstehen.
Der Goldpreis: der aktuelle Geldwert
Der Goldpreis beschreibt, welchen Geldwert eine bestimmte Menge Gold zu einem bestimmten Zeitpunkt am Markt hat. International wird Gold häufig in US-Dollar je Feinunze angegeben; für Käufer in Deutschland ist zusätzlich die Umrechnung in Euro relevant.
Der Goldpreis verändert sich fortlaufend. Einfluss haben unter anderem Angebot und Nachfrage, Zins- und Inflationserwartungen, Währungsentwicklungen, geopolitische Unsicherheiten sowie Käufe und Verkäufe großer Marktteilnehmer.
Steigt der Goldpreis, erhöht sich der rechnerische Geldwert einer vorhandenen Goldmenge. Die Menge des vorhandenen Goldes selbst wird dadurch jedoch nicht größer.
Wer beispielsweise 100 Gramm Gold besitzt, besitzt bei steigendem wie bei fallendem Goldpreis weiterhin 100 Gramm – solange kein Gold hinzugekauft oder verkauft wird.
Die Goldmenge:
Wie viel Gold tatsächlich vorhanden ist
Während der Goldpreis den Geldwert beschreibt, bezeichnet die Goldmenge den physischen Bestand – beispielsweise 10 Gramm, 100 Gramm oder eine Feinunze Gold.
Diese Menge verändert sich nicht durch Schwankungen des Goldpreises. Sie wird nur größer oder kleiner, wenn Gold hinzukommt oder abgegeben wird.
Damit lassen sich zwei Entwicklungen klar unterscheiden:
Wertentwicklung: Wie verändert sich der Geldwert meines vorhandenen Goldes?
Mengenentwicklung: Wie verändert sich die tatsächlich vorhandene Menge meines Goldes?
Diese Unterscheidung wird besonders interessant, wenn bei einem Modell Gold wiederholt erworben oder ein Rückkaufsbetrag erneut eingesetzt wird. Dann kann sich – abhängig von den jeweiligen Bedingungen – nicht nur der Geldwert, sondern auch die Goldmenge rechnerisch verändern.
Wichtig ist dabei: Eine rechnerische Mengenentwicklung ist keine Garantie dafür, dass diese Entwicklung tatsächlich eintritt. Entscheidend sind die zugrunde liegenden Preise, Vertragsbedingungen, Kosten und die tatsächliche Durchführung.
Goldpreis und Goldmenge im direkten Vergleich
Goldpreis
→ beschreibt den aktuellen Geldwert von Gold
→ verändert sich durch Marktbewegungen
→ wird beispielsweise in Euro je Gramm oder US-Dollar je Feinunze angegeben
→ verändert nicht automatisch die vorhandene Goldmenge
Goldmenge
→ beschreibt den tatsächlichen Goldbestand
→ wird beispielsweise in Gramm oder Feinunzen angegeben
→ verändert sich durch Kauf, Verkauf oder andere Transaktionen
→ ist zunächst unabhängig davon, ob der Goldpreis steigt oder fällt
Kurz gesagt: Der Goldpreis beantwortet die Frage „Was ist mein Gold wert?“ – die Goldmenge die Frage „Wie viel Gold besitze ich?“
Wann kann sich die Goldmenge verändern?
Die Goldmenge verändert sich nur, wenn tatsächlich Gold hinzukommt oder abgegeben wird. Ein steigender oder fallender Goldpreis allein verändert den vorhandenen Bestand nicht.
Eine größere Goldmenge kann beispielsweise entstehen, wenn zusätzliches Gold gekauft wird. Sie kann sich aber auch verändern, wenn nach einem Verkauf oder Rückkauf der verfügbare Betrag erneut für den Erwerb von Gold eingesetzt wird.
Dieser Vorgang wird häufig als Wiederanlage bezeichnet.
Entscheidend ist dabei, genau zu unterscheiden:
Zusätzliche Einzahlung:
Es wird neues Geld eingesetzt, um weiteres Gold zu erwerben.
Wiederanlage:
Ein bereits vorhandener Wert bzw. Rückkaufsbetrag wird erneut eingesetzt.
Wenn eine Wiederanlage mehrfach erfolgt, kann daraus eine mathematische Folge entstehen. Unter bestimmten Annahmen lässt sich berechnen, wie sich die Goldmenge über mehrere Zyklen entwickeln könnte.
Dabei gilt jedoch:
Eine mathematische Modellrechnung zeigt, was unter festgelegten Annahmen rechnerisch möglich wäre. Sie sagt nicht voraus, was tatsächlich eintreten wird.
Ein Beispiel: Preisvorteil und Wiederanlage
Ein Preisvorteil beim Goldkauf kann dazu führen, dass für einen bestimmten Geldbetrag rechnerisch mehr Gold erworben werden kann als zu einem zugrunde gelegten Vergleichspreis.
Entscheidend ist dabei die Frage:
Worauf beziehen sich die angegebenen 8 % und wie wird der Preisvorteil konkret berechnet?
Erst wenn Vergleichspreis, tatsächlicher Kaufpreis und Vertragsbedingungen bekannt sind, lässt sich bestimmen, welche Goldmenge für einen bestimmten Betrag tatsächlich erworben wird.
Wird ein späterer Rückkaufsbetrag erneut zum Erwerb von Gold eingesetzt, spricht man von Wiederanlage. Erfolgt dieser Vorgang mehrfach, kann sich daraus eine rechnerische Mengenentwicklung über mehrere Zyklen ergeben.
Dabei müssen die jeweiligen Annahmen berücksichtigt werden – insbesondere Kauf- und Rückkaufpreise, Kosten, Vertragsbedingungen und die Frage, ob der angenommene Preisvorteil bei jedem weiteren Erwerb erneut gilt.
Je häufiger eine Modellrechnung wiederholt wird, desto stärker wirken sich ihre zugrunde gelegten Annahmen auf das Endergebnis aus.
Preis und Menge gemeinsam betrachten
Goldpreis und Goldmenge beantworten unterschiedliche Fragen. Der Goldpreis zeigt, welchen Geldwert eine bestimmte Goldmenge zu einem bestimmten Zeitpunkt hat. Die Goldmenge beschreibt dagegen den tatsächlich vorhandenen Bestand.
Für die Beurteilung eines Goldangebots können deshalb beide Perspektiven wichtig sein.
Wer ein Modell mit Preisvorteil und Wiederanlage betrachtet, sollte nicht nur auf ein rechnerisches Endergebnis schauen, sondern nachvollziehen:
- welcher Vergleichspreis zugrunde liegt,
- wie der Kaufpreis bestimmt wird,
- zu welchen Bedingungen ein Rückkauf erfolgt,
- welche Kosten entstehen können,
- unter welchen Voraussetzungen eine Wiederanlage möglich ist und
- welche Annahmen einer längerfristigen Modellrechnung zugrunde liegen.
So wird aus einer beeindruckenden Zahl eine nachvollziehbare Rechnung, deren Voraussetzungen selbst geprüft werden können.